Interview mit Wolfram Bier, dem Gewinner des Hugo Boss Fashion Award 2009
Unter dem Motto „New Cut“ hat das Modeunternehmen Hugo Boss in diesem Jahr die Studenten/innen der Staatlichen Modeschule Stuttgart zum Designwettbewerb aufgerufen. Hugo Boss steht schon seit vielen Jahren in engem Kontakt mit der Staatlichen Modeschule Stuttgart, der regelmäßige Austausch ermöglicht den Studierenden wertvolle Einblicke in die tatsächliche Arbeitswelt eines internationalen Modeunternehmens.
Jana war live auf der Modenschau der Staatlichen Modeschule Stuttgart und hat den diesjährigen Gewinner des Hugo Boss Fashion Award mit Fragen gelöchert.
Wie läuft das mit dem Hugo Boss Award? Hast du die Auszeichnung für ein bestimmtes Stück bekommen oder für den Abschluss allgemein?
Der Hugo Boss Award ist ein Wettbewerb, der jedes Jahr exklusiv an bzw. für die Staatliche Modeschule Stuttgart ausgeschrieben wird. Hierbei stellt Boss ein Thema zu dem eine fiktive Kollektion erstellt werden soll. Wir Studierenden entwerfen dann eine Konzeptmappe mit 7-8 Outfits, und diese schicken wir dann an Boss. Die suchen sich dann die besten drei heraus, und ehren diese. Der erstplatzierte Gewinner bekommt neben 1500 Euro Preisgeld ein einjähriges Praktikum in der Designabteilung.
Wieso hast du dich damals für ein Studium an der staatlichen Modeschule Stuttgart entschieden
Ich entschied mich für die Modeschule Stuttgart aus folgenden Gründen: Verbindung aus Designlehrinhalten mit Vermittlung von technischem Know How. Ein reines Modedesignstudium wäre mir zu designlastig gewesen, mit zu wenig Bezug zur Produktion. Ein reines Bekleidungstechnikstudium wäre mir zu trocken und technisch ohne nötige Designaspekte gewesen. Der Lehrinhalt der Modeschule ist relativ einzigartig in Deutschland. Man erlangt außerdem kompaktes Wissen in nur zwei Jahren, und somit dauert das Studium halb so lange wie viele andere Studiengänge.
Wie geht es für dich jetzt nach dem Studium weiter?
Ich werde mein einjähriges Praktikum bei Hugo Boss antreten. Bei Boss Green um genau zu sein. Ich wollte unbedingt in die Abteilung, da diese sehr sportlich orientierte Mode macht. Zum Teil auch mit funktionalen Stoffen. Funktionale Mode mit gutem Design ist mein Steckenpferd. Was nach dem einjährigen Praktikum passiert, lasse ich erstmal auf mich zukommen.
Welchen Tipp gibst du jungen Leuten, die jetzt ein Modestudium anfangen wollen?
Tja gute Frage. Wer Spaß an schöner Mode hat, ist noch lange kein guter Designer. Die Kreativen von heute sind nicht nur reine “Schöpfer” sie müssen den Markt gut kennen, um Produkte zu entwickeln, die sich verkaufen lassen. Dass ist auch ein kleiner Wehmutstropfen, denn die Mode sollte innovativ an unsere Zeit und deren Bedürfnisse angepasst werden. Vor allem Männerbekleidung bietet noch viel mehr Potenzial für besseres Design. In Zukunft werden nicht nur Fragen des Styles eine Rolle spielen. Der Konsument will mehr und mehr wissen, wo sein Kleidungsstück herkommt, wer es gefertigt hat. Vor allem Fairtrade und ökologisch vertretbare Kleidung werden in Zukunft einen größeren Stellenwert bekommen. Zukünftige Designer sollen sich umsehen in welcher Welt wir leben, und für wenn sie Kleidung machen wollen, und was dass für sie persönlich bedeutet.
Was ist für dich ein modisches No Go?
Die Mode eines jeden spiegelt seine ganz individuelle Einstellung zu sich selbst und seiner Umwelt wieder. Mann darf Mode gar nicht mal so ernst nehmen wie immer gepredigt wird. Aber einfach nur Aussehen wie direkt aus dem Katalog bestellt geht für mich gar nicht.
So verspielt man die Möglichkeit auch mal ein bisschen Leben in sein Outfit zu bringen. Also gerne mal ein altes Lieblingsteil zu etwas neuem kombinieren.
Wie beurteilst du deine Heimatstadt Stuttgart in Sachen Mode?
Stuttgart ist die Autometropole Deutschlands. Hier geht es darum in gewisser Weiße souverän, geschäftlich gekleidet zu sein. Der Markt passt sich dieser Situation an, und bietet den Stuttgartern eine Vielzahl an eher konservativ angehauchten Produkten. Dennoch hat Stuttgart auch eine Menge Läden bzw. Boutiquen, in denen man ausgefallene Teile ergattern kann. Klar ist Stuttgart nicht London. Aber ich liebe Stuttgart für seine ehrliche Art.
Was sind deine Lieblingsshops/Designer?
Einen konkreten Designer, oder ein Label möchte ich gar nicht nennen, da sich meine Sympathien zu einzelnen Firmen und deren Produkten genauso schnell ändert wie die Mode selbst. Ich kann nur sagen, dank der Globalisierung war es noch nie so einfach gut gekleidet zu sein wie heute. Wir brauchen nur durch einen Garten zu gehen (Internet) und uns die besten Früchte raussuchen. Wir sollen Spaß an Mode haben, denn dass ist das wo für sie da ist.
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